Hund schnüffelt an der Baby-Windel
16. Oktober 2021
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6 Minuten
Astrid Kurbjuweit
Wenn Hundehalter ein Baby bekommen, dann geht die Gewöhnung des Hundes an das Baby meistens recht problemlos vonstatten. Allerdings tragen Babys Windeln und Hunde haben eine gewisse Vorliebe für die Ausscheidungen und Magen- und Darminhalte anderer Tiere und eben auch Menschen.

Es muss nicht sein, aber es kann vorkommen, dass der Hund den Inhalt der Windeln als Leckerbissen ansieht und entsprechend den kleinen Windelträger belästigt. Hunde brauchen unter anderem auch pflanzliche Nahrung, um gesund zu sein, aber sie können sie nicht gut verdauen. Deshalb fressen sie manchmal Pferdeäpfel und ähnliches, aber eben auch die Ausscheidungen von Menschen und anderen Tieren.

Aber Hunde lieben Babywindeln natürlich auch deshalb, weil die Ausscheidungen des Kindes ganz intensiv den Geruch des geliebten Babys tragen. Man soll also nicht zu streng mit dem Hund sein. Er ist vermutlich total verliebt in „sein“ Baby.

Wie ernähren sich Hunde und was haben die Babywindeln damit zu tun?

Hunde sind Fleischfresser, das sieht man schon am Gebiss. Aber sie sind keine reinen Fleischfresser, sie brauchen auch pflanzliche Kost, um gesund zu bleiben und sich mit allen Nährstoffen zu versorgen. Allerdings haben sie weder die Zähne eines Pflanzenfressers, noch sein Verdauungssystem. Sie haben also ein Problem.

Um zu verstehen, wie sie dieses Problem lösen, hilft es, sich die Vorgehensweise ihrer Vorfahren, der Wölfe, zu betrachten.

Wie die Wölfe das Problem mit der pflanzlichen Nahrung lösen

Die Vorfahren der Hunde, die Wölfe, leben von der Jagd. Wenn sie ein Tier gerissen haben, dann fressen sie es komplett auf, inklusive allem, auch dem Inhalt des gesamten Verdauungstraktes. Ob sie das besonders gerne tun oder ob sie einfach nur alles fressen, was sie kriegen können, wird kontrovers gesehen. Fakt ist, wenn sie nicht gestört werden, fressen sie alles.

Und dadurch bekommen sie eine Menge Nährstoffe, die in der meist pflanzlichen Nahrung der Beutetiere enthalten ist. Anders als wenn sie direkt grasen oder sonst wie Pflanzen fressen würden, werden mit dem Beutetier auch dessen Verdauungsenzyme, Darmbakterien und alles, was sonst zur Verdauung gebraucht wird, gleich mitgeliefert.

Die meisten Beutetiere sind reine oder überwiegende Pflanzenfresser, tragen also zu jeder Zeit reichlich pflanzliche Nahrung in verschiedenen Stadien der Verdauung in sich. Die Wölfe fressen das vollständig auf, mit allen Enzymen und Magensäften, die darin enthalten sind.

Auf die Weise können die Fleischfresser die pflanzliche Nahrung zusammen mit den Verdauungssäften der Pflanzenfresser aufnehmen und so von den Inhaltsstoffen profitieren. In vorverdautem Zustand, durchsetzt mit den Magensäften des Beutetieres, wird die pflanzliche Nahrung dann auch für den Wolf besser genießbar. Er deckt seinen Nährstoffbedarf besser, als wenn er nur Fleisch fressen würde.

Der Hund würde das wahrscheinlich auch so machen, wenn er könnte. Aber weil er eben ein Haustier ist und der Mensch die Regeln vorgibt, kann er eben nicht. Und muss deshalb nach anderen Lösungen suchen.

Hunde können nicht genauso wie Wölfe vorgehen

Unsere Hunde jagen normalerweise nicht. Und wenn doch, dann ist in den meisten Fällen etwas falsch gelaufen. Manche Menschen tolerieren, wenn ihre Hunde eine Maus oder eine Ratte als Beute machen und fressen. Die sie dann, wenn sie sie bekommen, übrigens auch komplett fressen.

Viele Menschen tolerieren das allerdings nicht. Es ist auch nicht nötig. Der Hund kann gesund ernährt werden, ohne selbst jagen zu müssen. Bei größeren Tieren ist es sowieso nicht hinnehmbar. Ein Hund darf kein Reh, keinen Hasen oder ähnliches jagen.

Hunde brauchen aber genau wie die Wölfe die pflanzliche Nahrung, und genau wie die Wölfe können sie sie nicht so einfach selbst verdauen. Handelsübliches Hundefutter enthält natürlich zu einem großen Teil pflanzliche Bestandteile, aber vielleicht nicht immer genau das, was der Hund braucht.

Die Eigenschaften des Hundefutters

Im Hundefutter sind die pflanzlichen Zutaten normalerweise gekocht, sehr fein zerkleinert und dann wieder zu Brocken gepresst, in denen tierische und pflanzliche Bestandteile vermengt sind. In der Form kann der Hund sie im Allgemeinen verdauen.

Trotzdem ist es schwierig, das Hundefutter so zusammenzustellen, dass die Eigenschaften des hundlichen Verdauungssystems berücksichtigt werden. Hunde können pflanzliche Nahrung nicht richtig aufspalten. Es reicht also nicht aus, das Hundefutter mit Gemüse, Getreide oder ähnlichem anzureichern.

Der Mageninhalt eines Pflanzenfressers, also das, was der Wolf frisst, ist eben sehr viel mehr als nur die Pflanzen. Hundefutter ist also nur fast dasselbe, in vielen Fällen noch nicht einmal das.

Hunde decken ganz pragmatisch ihren Nährstoffbedarf mit vorverdauter, pflanzlicher Nahrung

Je nachdem, was der Hund frisst, und auch je nach den Eigenheiten des Hundes, kann es also vorkommen, dass ihm Nährstoffe fehlen. Wenn diese Nährstoffe in Pferdeäpfeln oder den Ausscheidungen anderer Tiere enthalten sind, dann wird er diese fressen, wenn er sie findet. Der Hund kennt da keinen Ekel, er versorgt sich einfach mit den für ihn notwendigen Nährstoffen.

Ein Hund schnüffelt an Pferdeäpfeln

Ein Hund schnüffelt an Pferdeäpfeln – sehr interessant!
Foto: Thorsten Grohse/Shutterstock

Die Vorliebe der Hunde für die Ausscheidungen anderer Tiere hat also einen ganz pragmatischen Hintergrund. Meistens richtet sich diese Vorliebe auf die Ausscheidungen von reinen Pflanzenfressern, was bestimmt kein Zufall ist. Aber um seinen Bedarf zu decken, müssen sie eben auch verfügbar sein, was vor allem in der Stadt nicht so selbstverständlich der Fall ist.

Viele Hunde haben aber eine Vorliebe für die Ausscheidungen anderer Tiere, vor allem für die von Pflanzenfressern wie Pferden und Kühen. Es kommt aber auch in Haushalten, in denen neben den Hunden auch Katzen leben, immer wieder vor, dass Hunde den Inhalt der Katzentoilette fressen.

Auch wenn dieses Verhalten vom Menschen für gewöhnlich als eklig empfunden wird und auch wenn man nicht so genau weiß, warum die Hunde das tun, die Tatsache, dass es für sie offenbar Leckerbissen sind, ist offensichtlich. Allerdings sind auch die Umstände, unter denen dieses Verhalten auftritt, unbekannt. Bei den meisten Hunden tritt es nur sporadisch auf.

BARF soll den Bedarf der Hunde besser decken

Da es recht häufig vorkommt, dass Hunde einen mehr oder minder ausgeprägten Mangel an unterschiedlichen Nährstoffen haben, wurde die Ernährungsform BARF entwickelt, die unter anderem einen großen Teil pflanzlicher Nahrung enthält. Zu BARF gehört, diese Pflanzen so vorzubereiten, dass der Hund sie möglichst gut verdauen kann.

Die Ernährungsform BARF wurde also entwickelt, um den Hunden einen Ersatz für die vorverdaute pflanzliche Nahrung zu bieten. Ob so ernährte Hunde weniger an tierischen und menschlichen Ausscheidungen interessiert sind als andere, ist bislang unbekannt.

BARF ist umstritten. Die einen sind glühende Verfechter, die anderen lehnen es ab, mit allen Zwischenformen. In jedem Fall bedeutet es Arbeit, und man muss auch sehr genau wissen, was man tut. Es ist also möglich, Fehler zu machen. Die Hunde sind meistens pragmatischer, die fressen, was es gibt.

Hunde fressen die Ausscheidungen anderer Tiere

Egal wie sie ernährt werden, manche Hunde (und viele Hunde zu manchen Zeiten) fressen die Ausscheidungen anderer Tiere. Vor allem die Ausscheidungen von Pflanzenfressern sind beliebt. Die Vermutung ist, dass dieses Verhalten mit Nährstoffmangel erklärt werden kann. Ganz sicher ist das nicht.

Tatsache ist, dass manche Hunde das tun. Jedenfalls dann, wenn sie sie kriegen können. Was natürlich nicht immer der Fall ist. Und wenn sie nicht kriegen, was sie brauchen, werden sie vielleicht weniger wählerisch und fressen auch die Ausscheidungen von Menschen. Und weil auch die meistens nicht erreichbar sind, trifft es eben das Baby, das immer mal wieder seine Ausscheidungen in seiner Windel trägt.

Babywindeln sind erreichbar für den Hund

Windeln werden meistens nicht direkt entsorgt, sondern zunächst in einem Eimer gesammelt. Der Hund weiß natürlich ganz genau, was in dem Eimer ist. Und er weiß auch ganz genau, was in der Windel ist. Es kann also gut sein, dass er nur auf seinen Moment wartet.

Der Eimer ist schnell umgeworfen, und schon ist er am Ziel.

Hundemütter fressen die Ausscheidungen ihrer Welpen

Eine andere Erklärung ist, dass Hundemütter die Ausscheidungen ihrer Welpen fressen, um die Wurfhöhle sauber zu halten. Der Hund sieht das Kind normalerweise als Teil seines Rudels, also in gewisser Weise auch als seinen Welpen an. Vielleicht sieht er es als seine Zuständigkeit an, hier für Sauberkeit zu sorgen.

Vielleicht liebt der Hund nicht so sehr die Babywindeln, sondern er sorgt sich vielmehr, dass dieser „Welpe“ zu stark riecht und deshalb gefährlich lebt. Aber das ist natürlich nur eine Spekulation.

Babys riechen einfach interessant

Mit ziemlicher Sicherheit kann man davon ausgehen, dass der Hund „sein“ Baby liebt und es beschützen wird, wenn es sein muss. Dass er also immer mal wieder die Nase an den geliebten „Welpen“ hält, und seinen Geruch in sich aufnimmt, ist nur natürlich und durchaus ein gutes Zeichen.

Hunde lieben Babywindeln - und Babys!

Hunde lieben Babywindeln – und Babys!
Foto: Alina Shirova/Shutterstock

Babywindeln sind für Hunde tabu

Es ist Ansichtssache, ob man seinem Hund das Fressen von Pferdeäpfeln oder ähnlichem gestattet, aber die Babywindeln gehören zu den Dingen, die ein Hund nicht anrühren dürfen sollte. Er darf mal dran riechen, aber mehr darf er nicht. Die Sicherheit des Babys geht hier vor.

Um den Hund nicht in Versuchung zu führen, sollte man die benutzten Babywindeln unbedingt sofort in einen fest verschlossenen Behälter entsorgen, sodass der Hund sie nicht erreichen kann. Auf keinen Fall darf man zulassen, dass der Hund sich mit der benutzten Windel ein ruhiges Plätzchen sucht, um den Inhalt in Ruhe zu untersuchen.

Es ist einfach eine Frage der Erziehung. Wenn der Hund seinen sicheren Platz im Familienrudel hat, dann wird er akzeptieren, dass er den Welpen des Rudels beschützen und beriechen darf, aber eben auch nur das.

Daneben kann man ruhig mal gucken, ob der Hund wirklich so ernährt wird, dass er alle notwendigen Nährstoffe bekommt. Denn wenn das nicht der Fall ist, wird er so oder anders immer wieder auf die Suche gehen und versuchen, Ersatz zu finden.

Schließlich lebt man als Hundehalter gesund, das gilt für Menschen jeden Alters. Da sollte man umgekehrt dafür sorgen, dass auch der Hund gesund leben kann und alles bekommt, was er braucht.

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Beitragsbild:Pavlova Yuliia/Shutterstock