Der Hund geht ganz sanft mit "seinem" Baby um
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5 Minuten
Astrid Kurbjuweit
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Auch Hundehalter bekommen Kinder. Entgegen einer verbreiteten Ansicht ist es nicht grundsätzlich gefährlich für das Baby, wenn ein Hund im Haushalt lebt. Allerdings sind gewisse Vorsichtsmaßnahmen erforderlich, damit der Hund sich in Gegenwart des Babys und später des Kleinkindes immer so verhält, wie man sich das wünscht. Denn sowohl Eifersuchtsreaktionen als auch unangemessene Liebesbeweise des Hundes können dem Baby schaden.

Grundsätzlich wird ein Hund das Kind seiner Besitzer als Rudelmitglied akzeptieren und als „seinen“ Welpen betrachten. Denn auch im Wolfsrudel sind alle Rudelmitglieder an der Aufzucht und Erziehung der Welpen beteiligt, obwohl es immer nur einen Wurf, den der ranghöchsten Wölfin, gibt. Es ist also ganz normal, dass der Hund das Baby beschützen wird. Allerdings muss der Hund lernen, dass sich ein Baby anders verhält als ein Welpe und auch anders behandelt werden muss als ein Welpe. Umgelernt werden muss auch, wenn bisher der Hund das „Kind“ in der Familie war und er diese privilegierte Rolle jetzt abgeben muss.

Gewöhnung des Hundes an das Baby

Je früher die Gewöhnung an Babys und Kleinkinder erfolgt, umso problemloser wird sie verlaufen. Am besten ist es also, wenn bereits der Welpe in der Sozialisationsphase, oder auch schon früher, Erfahrungen mit Babys und Kleinkindern sammeln konnte. Je mehr Kontakte ein Welpe und auch ein erwachsener Hund zu Babys und Kleinkindern haben kann, um so unbefangener wird er ihnen begegnen. Dabei ist es immer wichtig, darauf zu achten, dass keiner der Beteiligten unangenehme Erfahrungen macht.

Die Gewöhnung an das eigene Baby sollte auch so früh wie möglich beginnen, am besten noch vor der Geburt. Die ganzen Vorbereitungen, die vor der Geburt eines Kindes getroffen werden, sollten immer auch den Hund mit einbeziehen. Er kann gleich von Anfang an lernen, dass Kinderbett, Kinderwagen, Wickeltisch und alle anderen Gegenstände, die für das Kind angeschafft werden, für den Hund absolut verboten sind. Auf keinen Fall sollte man zulassen, dass der Hund zum Beispiel das Kinderbett als seinen Hundeplatz erobert, solange das Baby noch nicht da ist.

Wo das Eintreffen des Neugeborenen für den Hund einen Nachteil bedeutet, sollte dieser Nachteil möglichst schon lange vor der Geburt des Kindes eingeführt werden, damit der Hund keinen Zusammenhang zwischen dem Eintreffen des neuen Mitbewohners und seiner Benachteiligung herstellen kann. Wenn dem Hund also zum Beispiel das Betreten des Kinderzimmers verboten werden soll, dann sollte man dieses Verbot so früh wie möglich einführen und durchsetzen, nicht erst nach der Geburt des Kindes. Wenn jetzt nicht mehr Frauchen, sondern jemand anders für Spaziergänge und andere Aktivitäten verantwortlich wird, dann kann und sollte man das auch schon während der Schwangerschaft einführen, der werdenden Mutter wird ein bisschen mehr Ruhe sicher auch recht sein.

Kennenlernen

Der Hund sollte so früh wie möglich Gelegenheit haben, das neue Rudelmitglied kennenzulernen. Wenn Mutter und Kind zuerst noch im Krankenhaus sind, dann kann man dem Hund eine benutzte Windel oder ein getragenes Kleidungsstück des Babys mitbringen, damit er zumindest den Geruch schon mal kennenlernen kann. Der Hund darf diese Gegenstände nur beschnuppern, nicht damit spielen! Dieses Beschnuppern sollte man unbedingt zu einem für den Hund positiven Erlebnis werden lassen. Zu dem Zweck kann man den Hund streicheln, ihm ein Leckerli geben, mit ihm spielen, ihn für einen Moment in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellen.

Wenn Mutter und Kind dann nach Hause kommen, sollte der Hund zuerst Gelegenheit haben, sein lange vermisstes Frauchen zu begrüßen. Danach, wenn er sich wieder etwas beruhigt hat, zeigt man ihm das Baby, auf seiner Kopfhöhe. Wenn der Hund seinen Platz aufgesucht hat, dann ruft man ihn zu sich, man geht nicht mit dem Baby zum Hund. Er wird es beschnuppern, dafür lobt und belohnt man ihn. So wird das Baby für ihn zu einem Auslöser angenehmer Ereignisse.

Falls der Hund das Baby ableckt, sollte man wissen, dass das ein positiver Ausdruck der Zuneigung ist. Bei einem gesunden Hund, der sauber und frei von Parasiten ist, braucht man nicht damit zu rechnen, dass das Baby deswegen gleich krank wird. Die normale Hygiene sollte man natürlich beachten, also besser die Hände als das Gesicht ablecken lassen und hinterher waschen.

Verhalten des Hundes richtig interpretieren

In jedem Fall wird der Hund neugierig auf das neue Rudelmitglied sein. Man sollte also die Kontaktaufnahme grundsätzlich ermöglichen, natürlich bleibt man dabei. Wenn man den Hund nicht an das Baby lässt, wird er einen unbeobachteten Moment finden, um das Baby eben doch zu begutachten.

Solange der Säugling nicht von sich aus mobil ist, gibt es in der ersten Zeit selten Probleme. Aggressive Reaktionen des Hundes sind selten, wenn sie aber vorkommen, müssen sie unbedingt ernst genommen werden. Sie bedeuten, dass sich der Hund zurückgesetzt fühlt und das nicht akzeptieren kann. Dies bedeutet durchaus eine Gefahr für das Kind, auch wenn jeder Hund zunächst eine Warnung loslassen wird, bevor er jemanden beißt. Wenn er das Baby anknurrt, dann ist schon lange etwas schiefgelaufen, dann sollte man sein Verhältnis zum Hund grundsätzlich überdenken. Er braucht die Aufmerksamkeit und Zuwendung seiner Besitzer wie die Luft zum Leben und er ist nicht vernünftig, er sieht nicht, dass es jetzt gerade nicht so gut passt.

Aber auch depressive Reaktionen des Hundes sind möglich. Wenn der Hund nicht mehr frisst, kaum noch seinen Platz verlässt und sich stark zurückzieht, so sollte man diese Reaktion als Hilferuf des Hundes interpretieren. Er braucht mehr Aufmerksamkeit, auch wenn er sie nicht laut und aggressiv einfordert.

Vermeidung von Eifersucht

Die Zuneigung seiner Besitzer ist für den Hund ungemein wichtig. Wenn er nach der Ankunft des Babys den Eindruck hat, dass er diese Zuneigung jetzt mit dem Baby teilen muss, oder sogar zeitweise neben dem Baby ganz vergessen wird, dann wird er mit Eifersucht reagieren. Da die Eifersuchtsreaktionen des Hundes unter Umständen für das Baby gefährlich sein können, sollte man solche Situationen nach Möglichkeit vermeiden.

Der Hund sollte die Anwesenheit des Babys nach Möglichkeit immer mit positiven Erfahrungen verbinden können. Vor allem in der ersten Zeit ist es also wichtig, sich immer dann mit dem Hund zu beschäftigen, ihn zu streicheln, ihm sein Futter zu geben und mit ihm zu spielen, wenn das Baby dabei ist. Wenn man ihn dann noch in Abwesenheit des Babys weitgehend ignoriert, wird er bald positiv auf seine Anwesenheit reagieren.

Zuwendung wird durch Teilen nicht weniger

Der Hund sollte möglichst frühzeitig lernen, dass das Teilen der Zuwendung seiner Besitzer mit dem Baby nicht bedeutet, dass er zu kurz kommt. Diese Erfahrung kann man dem Hund auch schon vor der Geburt des Babys vermitteln, zum Beispiel, indem man sich einem anderen Hund zuwendet und dann beide Hunde gleichzeitig streichelt. Auch hier sollte man Schritt für Schritt vorgehen und nur dann weitermachen, wenn der Hund positiv reagiert.

Eifersüchtiges Verhalten sollte immer ignoriert werden, auf keinen Fall sollte es belohnt oder bestraft werden. Denn aus einer Belohnung würde der Hund lernen, dass dieses Verhalten angemessen und erwünscht ist und aus einer Bestrafung würde er lernen, dass seine Eifersucht berechtigt ist, denn er würde in Gegenwart des Babys negative Erfahrungen machen. Dabei muss man bedenken, dass jede Art von Zuwendung vom Hund als Belohnung interpretiert wird.

Das Auftreten eifersüchtigen Verhaltens sollte allerdings Anlass zu Überlegungen sein, wie man dem Hund zu mehr positiven Erlebnissen im Zusammenhang mit dem Kind verhelfen kann. Spätestens wenn der Hund das Baby anknurrt oder versucht, es wegzuschieben, ist es an der Zeit, etwas zu unternehmen. Am besten sollte man es jedoch gar nicht so weit kommen lassen.

In jedem Fall sollte man auch dann, wenn man mit dem Baby vollauf beschäftigt ist, dem Hund zumindest so viel Aufmerksamkeit widmen, dass man seine Reaktionen bemerkt. Denn falls der Hund das Baby als Eindringling ansieht, der vertrieben werden muss, so wird dies nicht aus heiterem Himmel kommen, sondern der Hund wird in vielfältiger Weise ankündigen, dass ihm etwas nicht passt. Es ist wichtig, dies ernst zu nehmen und entsprechend zu reagieren.

Und warum das alles?

Die erste Zeit mit Baby und Hund ist stressiger, als es mit Baby alleine wäre. Die Belohnung kommt aber bereits nach wenigen Wochen, und sie hält ein Hundeleben lang an. Man ermöglicht seinem Kind, mit einem Hund aufzuwachsen, was vielfältige Vorteile in gesundheitlicher und vor allem in sozialer Hinsicht hat. Schnell wird der Hund zum interessantesten, was die Umgebung dem Säugling zu bieten hat. Nur wenig später wird der Hund zum besten Freund des Kleinkindes und auch des größeren Kindes.

Hund, Baby und Verantwortung

Man kann Kinder bekommen, wenn ein Hund im Haushalt lebt, und man muss seinen Hund auch nicht weggeben, wenn ein Baby geboren wird. Voraussetzung ist aber, dass man seinen Hund wie einen Hund behandelt, und auch schon bisher so behandelt hat. Wer seinen Hund als Kindersatz ansieht und diesen Ersatz dann in die Ecke stellt, wenn das richtige Kind kommt, der muss mit Schwierigkeiten rechnen.

Durch artgerechte Hundehaltung kann man ohne Probleme seiner Verantwortung für Kind und Hund gerecht werden und seinem Kind dadurch den unschätzbaren Vorteil bieten, mit einem Hund aufwachsen zu dürfen.

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Beitragsbild:Christin Lola/Shutterstock