Von sich aus käme kein Hund auf die Idee, alleine zu bleiben. Jeder Hund sieht sich als Teil seines Rudels, und das Rudel bleibt zusammen. Fertig.
Da der Alltag in der menschlichen Hunde-Familie leider nicht immer erlaubt, dass alle ständig zusammenbleiben, muss der Hund lernen, mal alleine zu bleiben. Er muss lernen, dass er sich darauf verlassen kann, dass seine Menschen zurückkommen, dass sie ihn nicht für immer alleine lassen.
Hier gibt es einen Übungsplan, nach dem der Hund nach und nach lernt, darauf zu vertrauen, dass kurzzeitiges Alleinebleiben keine Katastrophe ist, dass seine Menschen zuverlässig zurückkommen.
Inhalt
- Der Übungsplan alleine bleiben für den Hund
- Übungsplan: Voraussetzungen erkennen und erfüllen
- Voraussetzungen, die der Hund erfüllen muss
- Voraussetzungen, die der Mensch erfüllen muss
- Woran erkennt man, ob der Hund alleine bleiben kann?
- Der Übungsplan für die ersten 14 Tage
- Der Übungsplan Alleine bleiben für den Hund: So geht’s
- Beschäftigung, Ablenkung, Hilfsmittel
- Rückschläge und Neuorganisation
- Stolpersteine und mögliche Fehler
- Möglicher Übungsplan
Der Übungsplan alleine bleiben für den Hund
Nicht nur der Hund muss etwas lernen, auch seine Menschen müssen lernen, die Bedingungen zu schaffen, unter denen der Hund entspannt alleine bleiben kann.
Der Übungsplan gilt also für beide, für Mensch und Hund.
Ziel des Übungsprogramms ist, dass der Hund entspannt alleine bleiben kann, für bis zu 2 Stunden.
Wer den Hund regelmäßig länger alleine lassen will, braucht einen Hundesitter oder eine sonstige Betreuung.
Mit dem Übungsprogramm wird es möglich, ohne Hund einkaufen oder zum Arzt zu gehen. Nicht jedoch, Vollzeit zu arbeiten.
Übungsplan: Voraussetzungen erkennen und erfüllen
Damit der Hund über eine Zeit länger als ein paar Minuten alleine bleiben kann, muss der Hund ein paar Bedingungen erfüllen.
Und, nicht zu vergessen, auch die Menschen müssen ihr Verhalten hinterfragen, ob sie alles so machen, dass es für den Hund leicht wird, alleine zu bleiben.
Voraussetzungen, die der Hund erfüllen muss
Der Hund muss gesund sein, er muss seinen sicheren Platz haben, den er kennt und an dem er sich auch sonst aufhält.
Er braucht Zugang zu frischem Wasser. Er muss vor äußeren Einflüssen geschützt sein.
Er muss vor dem Alleinebleiben draußen gewesen sein, muss sein Geschäft erledigt haben.
Wie lange der Hund alleine bleiben kann, hängt unter anderem von seinem Alter ab. Welpen können lernen, ein paar wenige Minuten alleine zu bleiben. Erwachsene Hunde können mit viel Übung lernen, auch mehrere Stunden alleine zu bleiben.
Voraussetzungen, die der Mensch erfüllen muss
Wenn der Hund alleine bleiben soll, muss er seine Menschen als zuverlässig erleben. Er muss mit absoluter Sicherheit wissen, dass sie zurückkommen. Hundehalter müssen sich fragen, ob sie sich so verhalten, dass der Hund das wirklich so sehen kann. Aus Sicht des Hundes, nicht aus Sicht des Menschen.
Hinzu kommt natürlich, dass der Mensch für eine Umgebung sorgen muss, in der der Hund sich sicher fühlen kann.
Woran erkennt man, ob der Hund alleine bleiben kann?
Jeder Hund kann 30 Sekunden alleine bleiben. Wenn er nicht bemerkt, dass er alleine ist. Sobald er es bemerkt, wird er sein Verhalten ändern.
Wenn er Anzeichen von Stress zeigt, wie Jaulen, Hecheln, an der Tür kratzen, aber auch Unsauberkeit, Zerlegen der Einrichtung, etc., dann ist das Problem nicht der Hund. Sondern das ist seine Art, zu zeigen, dass er es nicht aushält, alleine zu bleiben.
Ein Hund, der ein solches Verhalten zeigt, hat noch nicht gelernt, alleine zu bleiben.
Während des Übungsprogramms ist es also sinnvoll, festzustellen, wie der Hund sich verhält. Für die ersten Versuche, wenn man nur kurz ins Nebenzimmer geht, braucht man nur seine Augen und Ohren.
Aber sobald man tatsächlich anfängt, ohne den Hund die Wohnung zu verlassen, wird das Übungsprogramm sehr viel effizienter und auch angenehmer für den Hund, wenn man mithilfe einer Kamera guckt, wie der Hund sich verhält. Das ist heutzutage kein Problem mehr, man muss also nicht raten, wie es dem Hund gehen könnte.
Man richtet den Fortschritt des Übungsprogramms dann daran aus, wie der Hund sich verhält.
Sobald der Hund Stress zeigt, ist sicher, dass das Übungsprogramm im Moment noch zu schwer war. Das Ziel ist immer, zurückzukommen, bevor der Hund Stresssymptome zeigt.
Da muss er jetzt durch ist immer der falsche Ansatz. Der Hund versteht nur dann, dass seine Menschen wirklich zurückkommen, wenn sie das zuverlässig tun, bevor er in Stress gerät.
Diese Bedingung herzustellen ist Sache der Menschen. Der Hund macht nichts falsch, die Menschen müssen richtig interpretieren, was er sagen will, müssen angemessen handeln.
Der Übungsplan für die ersten 14 Tage
Das Training beginnt, je nach Alter des Hundes, mit Alleinbleiben im Sekundenbereich bis zu wenigen Minuten. Die ersten Tage kann man mehrere Übungsdurchgänge machen, es geht hier vor allem darum, den Stand der Dinge herauszufinden.
In späteren Tagen übt man einmal am Tag, eventuell zweimal.
Man kann dem Hund eine Beschäftigung geben, wenn er diese vorher schon kennenlernen durfte. Das kann die Sache einfacher machen.
Mit jedem Übungsdurchgang verlängert man die Zeit, die der Hund alleine bleibt, um wenige Minuten. Aber nur dann, wenn der Hund zuvor entspannt alleine geblieben ist.
Es gilt immer, zurückzukommen, bevor der Hund in Stress gerät. Wenn er also Stressanzeichen zeigt, ist das ein Fehler des Menschen, nicht des Hundes.
Falls es mal nicht gelungen ist, rechtzeitig zurückzukommen, muss man im Übungsprogramm mehrere Schritte zurückgehen, muss das gestörte Vertrauen wieder neu von Anfang an aufbauen.
Ungeduld lohnt sich also nicht, führt nur dazu, dass es länger dauert, dass beide Seiten mehr Stress erleben.
Der Übungsplan Alleine bleiben für den Hund: So geht’s
Vor jedem Üben muss der Hund draußen gewesen sein, muss sein Geschäft erledigt haben, sollte sich ausgetobt haben.
Man schickt ihn auf seinen Platz, gibt ihm vielleicht ein Kauspielzeug und geht aus dem Zimmer. Schließt die Tür, öffnet sie sofort wieder und geht wieder ins Zimmer.
Keine Begrüßung, kein Lob, alles Routine. Je weniger man den Hund beachtet, umso einfacher ist das Üben für ihn. Er muss nicht wissen, dass hier geübt wird.
Wenn der Hund entspannt geblieben ist, kann man im nächsten Versuch die Zeitdauer ein wenig verlängern. Wenn er aufsteht, hinter dem Menschen herläuft, oder sonst etwas tut, was Stress anzeigen könnte, dann muss man im nächsten Versuch einen Schritt zurück gehen, es einfacher machen.
Also zum Beispiel aus dem Zimmer gehen, aber die Tür offen lassen.
Wenn der Hund ein gewisses Interesse, aber keinen Stress zeigt, dann wiederholt man die gleiche Schwierigkeit so oft, bis es den Hund nicht mehr interessiert.
Man kann an einem Tag fünf oder sechs solche kurzen Übungsdurchgänge machen, über den Tag verteilt, nicht hintereinander weg.
Es ist völlig normal, wenn es mehrere Tage dauert, bis man zum nächsten Übungsschritt übergehen kann.
Wichtig ist bei jeder Schwierigkeits-Stufe, dass es keinen Abschied gibt, keine Begrüßung, kein Lob, nichts. Nur Routine. Nichts, was den Hund auf die Idee bringen könnte, dass hier irgend etwas ungewöhnlich sein könnte.
Wenn kurz rausgehen, sofort wiederkommen gut funktioniert, dann kann man eine Minute im Nebenzimmer bleiben. Wenn es gut klappt, beim folgenden Versuch 2 Minuten. Besser ist, jeden Übungsschritt zu wiederholen, nicht zu schnell vorzugehen.
Welche Geschwindigkeit richtig ist, hängt vom jeweiligen Hund ab, auch von der Hund-Mensch-Beziehung.
Als Faustregel kann man sagen, dass man von einem Durchgang zum nächsten die Zeitdauer um 20 bis 30 % verlängern kann. Zwischendurch kann das auch mal zu viel sein, dann muss man eben langsamer vorgehen.
Jeder Hund wird in seinem Tempo lernen, als Mensch muss man sich daran anpassen.
Nach 2 Minuten kann man auf drei, dann auf 5 Minuten steigern. Wenn das sicher funktioniert, kann man anfangen, nicht nur das Zimmer, sondern tatsächlich die Wohnung zu verlassen. Für fünf Minuten.
Wenn es klappt, beim nächsten Mal für 10 Minuten. Am Anfang steigert man in ganz kleinen Schritten, später können sie größer werden.
Am Anfang bleibt man in der Nähe der Wohnungstür, damit man sofort zurückkommen kann. Später kann man in der Zeit tatsächlich kleine Erledigungen machen.
Wichtiger als die gesamte Zeitdauer, die der Hund alleine bleibt, ist, dass er sich die ganze Zeit über entspannt verhält.
Innerhalb von 14 Tagen kann ein erwachsener, gut sozialisierter Hund, der eine stabile Hund-Mensch-Beziehung hat, lernen, 2 Stunden entspannt alleine zu bleiben.
Das ist kein Anspruch, sondern eine Möglichkeit. Es gibt tausend Gründe, warum ausgerechnet dein Hund langsamer lernt. Aufregen nützt nichts, weiter üben macht den Unterschied.
Je öfter man übt, auch nach Erreichen der gewünschten Alleine-Zeit, umso sicherer wird der Hund alleine bleiben können, auch wenn mal etwas dazwischen kommt.
Das Üben ist also nach 14 Tagen nicht fertig, sondern das ist nur der Anfang.
Beschäftigung, Ablenkung, Hilfsmittel
Je länger die Zeitdauer, die der Hund alleine bleibt, umso mehr Sinn macht es, Beschäftigungen und Unterbrechungen einzubauen.
Man kann ihm ein Kauspielzeug geben. So beschäftigt, wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit für längere Zeit gar nicht merken, dass er gerade alleine ist.
Man kann auch sonstige Spielzeuge geben, zum Beispiel Intelligenz-Spielzeuge. Toben und Rennen ist nicht zu empfehlen, der Hund soll entspannt bleiben.
Ab einer Zeitdauer von einer Stunde kann man eine angenehme Unterbrechung für den Hund einplanen, zum Beispiel eine kleine Mahlzeit aus dem Fütterautomaten.
Rückschläge und Neuorganisation
Ein Übungsplan mit regelmäßiger Steigerung und fortwährenden Lernfortschritten ist ein Ideal, das man in der Realität nur zeitweise erreichen wird. Rückschläge sind normal.
Wenn der Hund deutliche Stress-Symptome gezeigt hat, dann muss man im Übungsprogramm mehrere Schritte zurückgehen. Das ist unabdingbar.
Der Hund muss das Vertrauen wieder neu lernen.
Als Mensch sollte man daraus lernen, dass Ungeduld nur dazu führt, dass es länger dauert, dass alle Beteiligten mehr Stress haben.
Stolpersteine und mögliche Fehler
Der Hauptfehler, den man machen kann ist, zu glauben, der Hund würde was falsch machen. Wenn jemand etwas falsch macht in diesem Lernprozess, ist es immer der Mensch. Man muss sich immer an die eigene Nase fassen.
Ein weiterer Fehler ist die Ungeduld. Hunde sind verschieden, die Umstände, unter denen das Lernen stattfindet, sind verschieden. Es dauert so lange, wie es dauert. Geduld, Regelmäßigkeit und kleine Schritte beschleunigen die Sache maximal, noch schneller geht nicht.
Die Kamera ist ein großartiges Hilfsmittel, um zu gucken, wie der Hund sich verhält. Aber man kann mehrere Fehler machen. Zum einen ist das Ziel ja, dass der Hund ruhig bleibt während der geplanten Abwesenheit.
Aus Ruhe zu schließen, dass man jetzt Schritte überspringen kann, ist falsch. Eins nach dem anderen gilt weiterhin. Ruhe und entspanntes Verhalten zeigen an, dass alles im grünen Bereich ist, sind aber keine Aufforderung, ab jetzt schneller voran zu gehen.
Der zweite Fehler ist, über die Kamera-Funktionen mit dem Hund zu reden. Die Versuchung ist groß, aber man sollte unbedingt widerstehen. Ausnahmen gibt es nur bei sich akut anbahnenden Katastrophen.
Wer versucht, den Hund über die Kamera zu beruhigen, sabotiert sein eigenes Übungsprogramm. Nicht machen. Wirklich nicht.
Möglicher Übungsplan
Dieser Plan ist eine Orientierungshilfe. Jeder Hund ist anders, Umstände ändern sich. Flexibilität ist der Schlüssel zum Erfolg.
| Tag 1 | Mehrfach üben, bis zu 3 Minuten steigern |
| Tag 2 | Mehrfach üben, bis zu 3 – 5 Minuten |
| Tag 3 | zwei-oder dreimal üben, bis zu 8 Minuten |
| Tag 4 | 10 – 12 Minuten |
| Tag 5 | 15 – 18 Minuten |
| Tag 6 | 20 – 25 Minuten |
| Tag 7 | bis zu 30 Minuten |
| Tag 8 | 35 – 40 Minuten |
| Tag 9 | 45 – 50 Minuten |
| Tag 10 | 55 – 60 Minuten |
| Tag 11 | 70 – 80 Minuten |
| Tag 12 | 90 – 100 Minuten |
| Tag 13 | 100 – 110 Minuten |
| Tag 14 | 110 – 120 Minuten |
Aus diesem Plan ergibt sich kein Anspruch an den Hund. So kann es laufen, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass es nicht genau so laufen wird. Weiter üben, geduldig sein, kleine Schritte wählen, dann wird das.
Stress und Leistungsdruck übertragen sich auf den Hund, führen mit ziemlicher Sicherheit dazu, dass es länger dauert.
Auch dein Hund wird lernen, alleine zu bleiben. Es hängt von dir ab.



