Wenn der Hund lernen soll, gelassen alleine zu bleiben, hilft eine feste Routine. Das macht das Allein bleiben für ihn berechenbar, was Stress vermeidet. Hier kommt ein Vorschlag für eine sinnvolle Routine vor dem Weggehen und nach dem Wiederkommen.
Für die genaue Ausgestaltung der Routine kann man seine persönlichen Vorlieben mit einbauen. Wichtig ist vor allem, dass diese Routine immer gleich ist. Wie sie genau aussieht, ist weniger wichtig.
Inhalt
- So lernt der Hund, allein zu bleiben: Routine vor dem Weggehen
- Warum eine feste Routine wirkt
- So baust du die Routine auf
- Vor dem Ernstfall
- Hilfreiche Tools im Alltag
- Weißes Rauschen
- Wassernapf
- Zurückkommen ohne Drama
- Auslöser entkoppeln: Schlüssel, Jacke, Tür haben nichts mit dem Weggehen zu tun
- Fragen kurz geklärt
- Wie es weitergeht
So lernt der Hund, allein zu bleiben: Routine vor dem Weggehen
Für den Hund ist eine feste Routine ganz wichtig. Denn das macht die Situation für ihn berechenbar und senkt den Stress. Wenn er vorhersagen kann, was als nächstes kommt, kann er sich entspannen.
Man überlegt sich also eine Routine, die man tatsächlich einhalten kann, und handelt dann bei jedem Alleinbleiben genau so.
Hier kommt ein Vorschlag in 5 Schritten, wie so eine Routine aussehen kann. Die Erklärung kommt dann danach.
- 60–90 Minuten vor dem Weggehen: Es herrscht Ruhe, kein Spielen mit Bewegung, kein Rennen, kein Futter mehr. Entspannung ist angesagt
- 20 Minuten vor dem Weggehen: Der Hund liegt auf seinem Ruheplatz. Nicht ansprechen, nicht mit ihm interagieren, selbst auch ruhig sein
- 10 Minuten vor dem Weggehen: Eine kurze Runde draußen, damit der Hund sein Geschäft erledigen kann. Nicht rennen, nicht toben. Keine Aufregung.
- 5 Minuten vor dem Weggehen: Wassernapf kontrollieren, nachfüllen. Eventuell Geräuschquelle anschalten, eventuell Spielzeug/Beschäftigung bereitlegen
- Tatsächliches Weggehen: Jacke anziehen, Schlüssel, Tasche nehmen und gehen. Sonst nichts. Keine Worte, kein Blickkontakt. Einfach gehen.
Es geht bei diesem Ablauf darum, dass die gesamte Situation ruhig und routiniert bleibt. Dass es für den Hund keinen Grund für irgendeine Aufregung gibt.
Man vermeidet also auch, selbst hektisch durch die Gegend zu laufen, noch dies zu suchen und jenes zu machen. Alle diese Dinge macht man besser früher, legt das, was man mitnehmen will, an der Tür bereit.
Der Ablauf bleibt also neutral, ohne Abschiedsdramen, und folgt immer derselben Reihenfolge. Allerdings sollte es zu verschiedenen Zeiten stattfinden, damit der Hund keine Erwartungshaltung entwickelt. So verliert das Weggehen seinen Alarmcharakter.
Warum eine feste Routine wirkt
Gleichförmige, unspektakuläre Handlungen reduzieren die Erwartungsunsicherheit. Der Hund weiß, was als nächstes kommt, und das ist für ihn dann in Ordnung.
Wenn Jacke, Schlüssel und Tür nichts Besonderes ankündigen, bleibt der Hund ruhiger – vor dem Weggehen, während der Abwesenheit und bei der Rückkehr. Die Reihenfolge bleibt immer gleich, es passiert auch immer das Gleiche.
Aber der Zeitpunkt, zu dem es stattfindet, ist nicht immer gleich. Und der Zeitraum, der für einzelne Abschnitte der Routine gebraucht wird, sollte auch mal länger, mal kürzer sein.
Das verhindert, dass der Hund feste Zeitabläufe erwartet. Was es einem ermöglichst, so lange wegzubleiben, wie man eben braucht, um seine Angelegenheiten zu erledigen.
So baust du die Routine auf
Beginne frühzeitig mit der Routine. Deine eigenen Vorbereitungen sollten etwa eine Stunde vor dem Gehen fertig sein, alles, was du mitnehmen willst, sollte an der Tür bereit liegen. Du solltest umgezogen und fertig sein, so dass du dann beim Gehen nur noch Jacke, Tasche und Schlüssel nehmen musst.
Etwa eine Stunde vor dem Gehen kehrt Ruhe im Haus ein, gibt es auch kein Futter mehr.
Rund zwanzig Minuten vor dem Gehen schickst du den Hund auf seinem Platz, lässt ihn dort unbeachtet.
Kurz vor dem Gehen gehst du noch einmal kurz mit ihm raus, damit er sein Geschäft erledigen kann, dann prüfst du das Wasser, legst eine eventuell vorbereitete Beschäftigung bereit und stellst eventuell eine leise Geräuschquelle an, die Straßenlärm gerade eben überdeckt. Zu diesem Geräusch kommt gleich noch eine Erklärung.
Das Gehen selbst bleibt wortlos: Jacke an, Schlüssel nehmen, Tür schließen, gehen. Sonst nichts. Kein Abschied.
Vor dem Ernstfall
Bevor man tatsächlich über längere Zeit wegbleibt, den Hund alleine lässt, sollte man ein paar Dinge überlegen.
Der Hund soll nicht in Stress geraten. Einer der häufigsten Stressauslöser ist Lärm, und Hunde haben ein sehr feines Gehör.
Wenn also Autolärm zum Alltag gehört, wenn während der Abwesenheit mit der Post zu rechnen ist, wenn unter dem Fenster andere Hunde auf ihren Spaziergängen vorbeikommen, dann ist es eine gute Idee, dem Hund dabei zu helfen, das alles zu ignorieren.
Und es gibt tatsächlich ein Mittel, das sehr effektiv dabei hilft, sich trotz Lärm zu entspannen. Das ist weißes Rauschen.
Weißes Rauschen ist ein gleichmäßiges Geräusch, das alle hörbaren Frequenzen mit gleicher Leistung enthält und andere Geräusche maskieren kann.
Ein zweiter Punkt, den man beachten sollte, ist das Vermeiden von Missgeschicken und kleinen Unfällen, wie zum Beispiel, dass der Hund den Wassernapf umkippt.
Wenn man daneben steht, hat man das schnell aufgewischt, aber wenn man nicht da ist, kann das unangenehme Folgen haben.
Ein solider Wassernapf, der nicht so einfach umfallen kann, ist sehr hilfreich.
Man kann auch den eigenen Haushalt, die eigene Wohnsituation mal betrachten, vielleicht finden sich noch andere Dinge, an die man besser vorher denkt.
Hilfreiche Tools im Alltag
Weißes Rauschen
Eben gerade war von einer Geräuschquelle die Rede. Das hat es damit auf sich:
An vielen Orten gibt es Straßenlärm, oder anderen Lärm, der die Aufmerksamkeit des Hundes auf sich zieht. Das macht es schwer für ihn, sich zu entspannen.
Ein gleichmäßiges Geräusch, so wie weißes Rauschen, wirkt dagegen beruhigend. Man kann weißes Rauschen, das man genau so laut einstellt, dass es den Straßenlärm gerade so übertönt, also gezielt zur Beruhigung verwenden.
Das wirkt, das macht es dem Hund leichter, entspannt einfach abzuwarten und das ganze Draußen einfach zu ignorieren.
Man braucht ein Gerät mit Dauerbetrieb, der ohne Pausen oder Aussetzer funktioniert. Dafür gibt es spezielle White-Noise-Geräte, die genau das herstellen. Man kann sie auch für sich selbst verwenden, zum Beispiel als Einschlafhilfe, oder gegen Lärm beim Arbeiten oder Lernen.
Angeboten werden White-Noise-Geräte meistens als Einschlafhilfe für Babys. Davon darf man sich nicht beirren lassen. Weißes Rauschen wirkt beruhigend auf Babys, Erwachsene, Hunde, und wahrscheinlich auf noch viele andere auch.
Wassernapf
Der Hund muss immer Wasser zur Verfügung haben. Ein Wassernapf ist also Pflicht.
Wenn der Hund alleine ist, ist es besonders wichtig, dass mit dem Wasser keine Missgeschicke passieren. Denn dann ist niemand da, der es aufwischen kann.
Man braucht also einen Wassernapf, der garantiert nicht umkippt, und der am besten auch fest an seinem Platz stehen bleibt, egal, was passiert.
Ein schwerer Keramiknapf mit geraden Seiten und mit einem rutschhemmenden Ring am Boden erfüllt dieses Kriterium.
Alternativ kann man seinem Hund auch einen Trinkbrunnen hinstellen. Das leise plätschernde Wasser wirkt nochmal zusätzlich beruhigend. Das Wasser bleibt immer frisch, da es durch Filter läuft. Die Anschaffung lohnt sich allerdings nicht in jedem Fall.
Zurückkommen ohne Drama
Wenn man wieder heimkommt, hält man am besten eine genau so unspektakuläre Routine ein wie beim Weggehen.
Man begrüßt seinen Hund genauso intensiv, als wäre man nur kurz in der Küche gewesen. Also am besten gar nicht.
So bleibt nicht nur das Gehen, sondern auch das Ankommen ein normaler Teil des Tages. Wenn man länger weg war, muss man jetzt natürlich gucken, ob der Hund noch Wasser hat, und wahrscheinlich muss er jetzt raus.
Jetzt bleibt noch ein Punkt in der Routine: Hunde sind gut darin, an kleinen Anzeichen zu erkennen, was als nächstes kommt. Besser ist aber, wenn sie nicht wissen, was die Geräusche zu bedeuten haben.
Auslöser entkoppeln: Schlüssel, Jacke, Tür haben nichts mit dem Weggehen zu tun
Wenn der Hund das Geräusch kennt, das der Schlüssel macht, wenn du ihn vom Haken nimmst, dann wird er entweder schlussfolgern, dass es jetzt zum Spaziergang geht, oder er wird schlussfolgern, dass du ihn jetzt alleine lässt.
Dasselbe gilt für das Geräusch, das deine Jacke macht, wenn du sie anziehst. Und wahrscheinlich für noch einige andere Signale auch.
Während der Zeit, in der das Alleine bleiben noch geübt wird, ist es wichtig, solche Vorhersagen des Hundes unmöglich oder zumindest schwer zu machen.
Wenn du den Schlüssel nimmst und er erwartungsvoll angerannt kommt, weil er denkt, jetzt geht es zum Spaziergang, dann macht das das Üben des Alleine Bleibens schwerer. Denn die Enttäuschung, dass der Spaziergang ohne ihn stattfindet, trägt nicht zur Entspannung bei.
Man kann das verhindern, indem man über den Tag verteilt immer mal wieder die Jacke anzieht und dann einfach mit dem weitermacht, was man sowieso gerade machen wollte. Man muss die Jacke nicht anbehalten, es geht um das Hantieren damit.
Dasselbe gilt für den Schlüssel. Man kann ihn immer mal wieder vom Haken nehmen, und dann das machen, was man gerade so macht.
Auch die Tür kann man immer mal wieder auf- und wieder zumachen. Damit der Hund lernt, dass das nichts zu bedeuten hat.
Das Üben des Alleine Bleibens wird erheblich einfacher, wenn man solche „Übungen“ über den Tag verteilt mit einbaut.
Wenn der Hund das Alleine bleiben gut gelernt hat und problemlos ruhig bleibt, dann sind solche Dinge nicht mehr so wichtig.
Fragen kurz geklärt
Soll ich mich verabschieden? Nein. Eine neutrale Routine wirkt stärker als Worte. Wenn man einfach geht, entwickelt der Hund keine Erwartungen
Wie laut soll die Geräuschquelle sein? So leise wie möglich, so laut wie nötig. Ziel ist, den Außenlärm gerade so zu übertönen.
Kann/soll man vor dem Gehen noch spielen? Nein. Spiel erhöht die Erregung. Wenn du wieder zu Hause bist, dann könnt ihr spielen, toben, schmusen, alles.
Wie es weitergeht
In den nächsten Artikeln geht es darum, wie man mit dem Angebot ruhiger, leiser Beschäftigung dem Hund das längere Alleinsein leichter machen kann, und wie man mit automatischer Fütterung ein langes Alleinsein mit einer für den Hund angenehmen Pause unterbrechen kann.
Danach geht es dann um die Frage, ob man eine Hunde-Kamera braucht und wie man die Wohnung so vorbereitet, dass während der Abwesenheit nichts passieren kann, nicht dem Hund und auch nicht der Wohnung.
Nach den ganzen Vorbereitungen kommt dann der vollständige Trainingsplan, mit dem der Hund nach und nach lernt, immer länger alleine zu bleiben. Und dabei entspannt und zufrieden zu bleiben.



