Wenn der Hund aus dem Nichts plötzlich wie wild im Kreis rennt, mit weit aufgerissenen Augen, geduckter Haltung und enormem Energieaufwand, dann hat er die „Zoomies“. Es gibt kein entsprechendes deutsches Wort, aber wer es mal gesehen hat, weiß was gemeint ist.
Zoomies oder wissenschaftlich FRAP (frenetic random activity periods) wirken vielleicht etwas erschreckend, sind aber als solche harmlos. Der Hund ist nicht verrückt geworden. Erfahre, was es mit dem wilden Rumgerenne auf sich hat und was du tun kannst, um Schäden zu vermeiden.
Inhalt
Zoomies? Was ist das?
Meistens kommt es praktisch aus dem Nichts, es ist kein Anlass erkennbar. Der Hund rennt spontan los, wie angestochen, mit hoher Geschwindigkeit, immer im (kleinen) Kreis, manchmal im Zickzack, dann wechselt er die Richtung, rennt andersrum im Kreis.
Die Augen sind weit aufgerissen, der Blick irgendwie entrückt, die Haltung geduckt, es entsteht der Eindruck, der Hund wäre verrückt geworden. Er rennt einfach, ohne Rücksicht auf irgend etwas, Sachen fliegen durch die Gegend, Leute werden angerempelt.
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Und genauso plötzlich, wie es angefangen hat, ist es wieder vorbei, ist der Hund wieder völlig normal. Nach wenigen Minuten, manchmal nur Sekunden, hört es von alleine auf.
Ist der Hund verrückt? Ist er krank? Was passiert da?
Im englischen Sprachraum nennt man das, was da passiert, die Zoomies. Es klingt irgendwie lustig, jedenfalls harmlos. Und die gute Nachricht ist, dass es tatsächlich harmlos ist.
Also jedenfalls die Zoomies selbst. Der Hund ist nicht verrückt geworden, er ist auch nicht krank, es gehört zum normalen Verhaltensrepertoire.
Das Phänomen ist sogar wissenschaftlich untersucht, und hat dort einen eigenen Namen: FRAP (frenetic random activity periods) ist natürlich auch nur eine Beschreibung, keine Erklärung.
Eine frenetische, zufällige Aktivitätsperiode, so würde das auf Deutsch lauten, aber es wird dem plötzlichen, wilden, schockierenden Aspekt dieses Verhaltens nicht so ganz gerecht.
Aber die Beschreibung ist zutreffend. Frenetisch, also sehr intensiv, wild, stürmisch, heftig, das ist ganz sicher der Fall. Zufällig ist es wohl auch, denn wenn es auch Vermutungen gibt, so weiß man doch nicht wirklich, wann und warum es auftritt. Eine Aktivitätsperiode ist es sicherlich, auch in dem Sinne, dass es vorübergehend ist.
Es scheint so zu sein, dass der Hund in der Situation seine Umgebung nicht wirklich wahrnimmt. Jedenfalls kümmert er sich um nichts, scheint nicht zu hören, scheint seine Menschen nicht zu sehen, er kollidiert mit Gegenständen und Menschen, scheinbar ohne es zu merken.
Es kann schockierend sein, das zu sehen. Auch wenn man weiß, dass das zum normalen Hundeverhalten gehört, bleibt die Sorge, dass er sich verletzen könnte, dass er Sachen kaputt macht oder Menschen verletzt.
Was ist über die Zoomies bekannt?
Die Zoomies bei Hunden sind Phasen hektischer Aktivität, in denen der Hund sehr schnell und unkontrolliert durch die Gegend rennt (meistens im Kreis) und seine Umgebung scheinbar nicht wahrnimmt.
Dieses spezielle Herumrennen kommt häufiger bei Welpen vor, kann aber bei Hunden jeden Alters vorkommen. Sie tun es nicht absichtlich.
Sie tun es, ohne zu bemerken, was um sie herum passiert, was sie kaputt machen oder wen oder was sie dabei umwerfen. Es kann ausgesprochen stressig sein, wenn der Hund sich in der Wohnung auf einmal so unerwartet benimmt.
Zoomies und die Unfallgefahr
Ein Hund, der auf diese Weise durch die Wohnung rennt, ist nicht verrückt. Er ist auch nicht böse oder gefährlich. Das Rennen selbst ist für ihn völlig harmlos. Es gibt nur die Gefahr, in der Wohnung irgend etwas umzuwerfen, das ihm dann auf den Kopf fällt oder ähnliche Unfälle.
Das ist aber alles sehr selten. Auch wenn es so wirkt, als ob der Hund völlig weggetreten wäre, stimmt das nicht wirklich. Er rennt nicht frontal gegen die Wand, oder ähnliches. Er rennt Kreise im Wohnzimmer, das dann vielleicht für die schnelle Bewegung etwas zu klein ist.
Was tun, wenn man nicht möchte, dass der Hund das Wohnzimmer zerlegt?
Auch wenn das also alles ganz normales Hundeverhalten ist, auch wenn der Hund in dem Zustand keine echte Gefahr darstellt, so ist die Gefahr, dass er Sachen vom Tisch reißt, Möbel umwirft, etc. doch sehr real.
Man kann in der Situation (begrenzt) reagieren. Und man kann vorbeugend sehen, wie man die Situation nach Möglichkeit vermeidet.
Zoomies beenden
Es ist nicht wirklich möglich, das Gerenne zu beenden. Der Hund hört in der Situation nicht, er kriegt wahrscheinlich gar nicht mit, dass da jemand existiert.
Aber für gewöhnlich hört es nach kurzer Zeit von alleine auf.
Wenn es möglich ist, kann man den Hund in den Garten schieben. Tür auf, andere Wege versperren, dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als dorthin auszuweichen.
Es macht wenig Sinn, ihn aktiv zum Aufhören bewegen zu wollen. Es funktioniert nicht, es kann sogar sein, dass es davon schlimmer wird.
Vorbeugen
Es scheint einen Zusammenhang zwischen überschüssiger Energie und den Zoomies zu geben. Eine gute Vorbeugung ist also, dem Hund regelmäßig Gelegenheit zu geben, sich auszutoben. Je nach Rasse, Alter und individuellen Eigenheiten kann es sein, dass ein Hund sehr viel mehr Bewegung braucht, als man so denkt.
Dreimal am Tag kurz vor die Tür zu gehen, ist für fast alle Hunde zu wenig. Aber es gibt gar nicht so wenige Hunde, die von sich aus den ganzen Tag von morgens bis abends im lockeren Trab verbringen würden, wenn sie denn könnten.
Wenn sie das nicht können, wie das bei fast allen unseren Haushunden der Fall ist, dann bricht sich die überschüssige Energie irgendwann Bahn. Die Zoomies können also ein Hinweis sein, dass der Hund mehr Bewegung braucht.
Umgekehrt ist mehr Bewegung, mehr sportliche Aktivität dann wahrscheinlich die beste Behandlung, mit der man weitere Zoomie-Anfälle verhindern kann.
Weiter gibt es die Vermutung, dass die Zoomies auftreten, wenn der Hund in einer Situation unbeweglich aushalten muss, die emotional belastend für ihn ist.
Zum Beispiel mögen die meisten Hunde ihr Bad nicht so wirklich. In der Badewanne zu stehen und mit Seife und Wasser behandelt zu werden, ist also stressig für den Hund.
Kaum ist er dann aus der beengten, stressigen Situation befreit, bricht sich der aufgestaute Stress Bahn. In Zoomies. Wenn der Hund noch nass ist, finden die Menschen das meistens nicht so gut. Dem Hund geht es aber gut dabei.
Oder der Hund muss alleine zu Hause auf seinen Menschen warten. Das tut er bewegungslos, lauscht auf jedes Geräusch. Und wenn sein Mensch dann kommt, dann muss die ganze aufgestaute Energie, die ganze Sorge, die ganzen Emotionen, raus aus dem Hund.
Wenn der Hund also regelmäßig eine Schneise der Verwüstung in der Wohnung hinterlässt, dann kann das ein Zeichen sein, dass er mehr Bewegung braucht, oder mehr emotionalen Rückhalt, weniger Stress, weniger Zeit alleine.
Artgerechte Hundehaltung
Die beste Vorbeugung vor den Zoomies scheint eine artgerechte Hundehaltung zu sein. Mit viel Bewegung, immer in Gesellschaft seiner Menschen, mit einem sicheren Platz in seinem Menschenrudel, kommen Verhaltensweisen wie Zoomies nur selten vor.
Garantien gibt es allerdings keine.